Walking Woman, 2008
Bronze, farbig gefasst, Ex. 5/5,
H 217 cm x B 76 cm x T 125 cm
Ausgestellt in “Blickachsen 9“ (2013)
Erworben 2013
Standort: Bahnhofsvorplatz
Der britische Bildhauer Sean Henry spielt in seinem Werk, so auch bei dieser farbig gefassten Bronzefigur, häufig mit dem alltäglichen Erfahrungsschatz des Stadtmenschen. Alles an dieser kräftig ausschreitenden Frau, die sich auf einer Ebene mit den Betrachtern zu bewegen scheint, kommt einem vertraut vor: die Kleidung, die Physiognomie, die Haltung. Beim näheren Herantreten wird jedoch alles unbestimmbar. Die Figur ist überlebensgroß, die Einzelheiten der aufgemalten Kleidung sind nicht genau wiedergegeben, die Gesichtszüge lassen sich nicht eindeutig zuordnen, der energischen, Eile ausdrückenden Körperhaltung fehlt das Ziel. Sie erinnert uns an das hektische Alltagsleben einer Stadt, vielleicht auf dem Weg zur oder von der Arbeit. Sean Henry hat außer seiner Vorliebe für figürliche Darstellung keine eindeutigen kunsthistorischen Vorbilder, wie z. B. den Hyperrealismus, der alles bis ins Detail dargestellt hätte oder die ausschreitenden Figuren Alberto Giacomettis, der diese Bewegung und Aktivität allein der männlichen Figur zuschrieb – sie jedoch in der überdimensionierten Körperlichkeit auf zerklüftete Linearität reduzierte. Sean Henrys Figuren sind das Gegenteil: Sie deuten Vertrautheit an, wirken alltäglich und zeitbezogen. Ihre Position mitten ins Leben, führt sogar häufig zur Interaktion mit der Figur. Sie provoziert diese aber nicht und kann auch nur Teil des Ganzen im urbanen Raum sein. In diesem Fall macht die Figur nur durch ihre Überdimensionierung auf sich als Kunstwerk aufmerksam.